Freud und Leid liegen manchmal ganz eng beisammen. Noch am Dienstag hatten einige (uns aus der Redaktion eingeschlossen) geschimpft, dass man in der Schlussphase einen Vorsprung aus der Hand gab. Doch bereits am gestrigen Freitag hat unser EHC Timmendorfer Strand eine unfassbare Reaktion gezeigt. Im Derby bei den Crocodiles Hamburg wurde nicht nur der Charaktertest bestanden, sondern der Gegner in seine Einzelteile filetiert. Beim 7:2 (4:0, 2:0, 1:2)-Auswärtssieg gab es ein Feinschmeckermenü in sieben Gängen – bestes Steak vom Krokodil stand dabei ganz oben auf der Speisekarte.

Der erste Gang: die Anfangsphase bestimmten die Gastgeber und hatten einige gute Chancen zu verbuchen. Bei der Besten traf Moritz Israel das Gestänge des Tores, welches gestern Abend von Jan Dalgic gehütet wurde. Timmendorf brauchte ein wenig, um den Herd auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen, doch dann servierte Petr Gulda einen vorzüglichen ersten Gang. Nach einem kapitalen Stockfehler von Mitchell brach unsere Nummer 69 aus, ließ kein Krokodil mehr herankommen und netzte mit der Rückhand zum 1:0 ein. Was ein Horsd’œuvre für dieses Menü.

Das zweite, fein zubereitete Stückchen servierte dann das Powerplay für die mitgereisten Timmendorfer Fans. Nach dem Max Wasser und Moritz Israel Argumente ausgetauscht hatten und beide für vier bzw. sechs Minuten auf der Strafbank Platz nehmen durften, durfte unsere erste Formation ran. Messerscharfer Pass von Daniel Clairmont durch die Zone und Daniel Lupzig hämmerte die Scheibe genauso messerscharf zum 2:0 in die Maschen.

Und unsere Topformation war noch nicht satt. Lupzig bringt die Scheibe zu Clairmont, welcher einem Hamburger einen Beinschuss verpasst und spielt quer zu Cedric Montminy. Für den war seine Zutat zum Tore-Menü wohl eine der leichteren Übungen. Und auch der vierte Part ging auf das Konto unserer Nummer 20. Lupzig luchst Mitchell die Scheibe und spielt in die Mitte, wo Montminy aus dem Slot genau in den Winkel trifft.

Den Crocodiles lag dieser Rückstand im Magen und Lucas DiBerardo sollte als neuer Goalie wohl kräftig in die Suppe spucken. Aber da wir ja längst bei den Hauptgängen angekommen waren, musste auch er schnell hinter sich greifen. Perfekt abgestimmt servierte Tauno Zobel die Scheibe auf dem Silbertablett und Marco Meyer vollendete völlig freistehend zum 5:0.

Zu einem Menü gehört auch etwas leicht zubereitetes und vor allem etwas, was auch mal schnell zwischendurch zu machen ist. Gesagt getan sagte sich Tauno Zobel, zündete den Turbo, ließ drei Crocodiles einfach mal stehen und schoss aus spitzem Winkel zum 6:0 ein. Was für ein Spiel unserer Jungs.

Danach waren sie verständlicherweise erst einmal satt und ließen die Gastgeber in die Partie kommen. Einzig Jan Dalgic zwischen den Pipes war hungrig auf Pucks und zog sie phasenweise wie ein Magnet an. Die Hamburger Ehrentreffer durch einen Abstauber von Josh Mitchell und einen schönen Schlenzer von André Gerartz konnte er aber leider nicht verhindern.

Das weckte aber den Appetit von unserem besten Torschützen. Perfekt serviert von den Sous-Chefs Montminy und Lupzig garnierte Chefkoch Daniel Clairmont den letzten Gang mit der Kirsche auf dem Dessert, einem Schlenzer zum 7:2.

Auch wenn die Torschützen und Vorbereiter in so einem Bericht eher im Mittelpunkt stehen, so haben alle, die auf dem Eis standen zum Gelingen dieses Menüs beigetragen. Die Verteidigung stand über weite Strecken sehr gut und alle haben daran mitgearbeitet, dass unseren Fans diese Partie auf der Zunge zergangen sein dürfte. Auch Steve Pepin als Restaurantmanager war natürlich sehr zufrieden.

Ausruhen kann man sich auf dem Erfolg aber nicht, denn schon am Sonntag geht es weiter. Um 18 Uhr ist der Herner EV zu Gast im Eistempel am Kurpark. Vielleicht gelingt ja wieder ein überraschender, eishockeykulinarischer Hochgenuss.

Statistik
Tore: 0:1 Gulda (10./UZ), 0:2 Lupzig (17./ÜZ), 0:3, 0:4 Montminy (19./20.), 0:5 Meyer (23.), 0:6 Zobel (39), 1:6 Mitchell (51.), 2:6 Gerartz (54.), 2:7 Clairmont (55.)

Schüsse; 39 (12, 11, 16) – 29 (12, 11, 6)
Strafen: Hamburg 14 – Timmendorf 16
Zuschauer: 1633