Der vierte Akt der Vorbereitung war wieder nichts für schwache Nerven. In einem, speziell von Berliner Seite, beinhart geführtem Spiel musste sich unser EHC Timmendorfer Strand den Preussen mit 6:7 (2:2, 2:2, 2:3) geschlagen geben. Während der Sturm zu überzeugen wusste, zeigte unsere Mannschaft in der Defensive die bisher schwächste Leistung.

Eigentlich hätte man erwartet, dass den Preussen die lange Anfahrt und der Stau (Spielbeginn war aus diesem Grund um zwei Stunden verspätet) in den Knochen stecken müsste, doch die Gäste aus der Hauptstadt begann die Partie druckvoll. Marvin Krüger und Felix Braun überwanden schon früh Fabio Alonso im Tor, waren dabei auch nahezu ungestört.

Auch der Angriff stotterte, brachte wenig zu Stande. Doch Cedric Montminy sorgte mit seinem Treffer für die Initialzündung und nur neun Sekunden später war Kevin Kunz mit dem 2:2 zur Stelle. Nun entwickelte sich so etwas wie ein Eishockeyspiel mit Tempo und Härte – ehe dann bei einem Berliner sämtliche Sicherungen durchbrannten.

Ohne Rücksicht auf die Gesundheit von Marco Meyer rammte Julian van Lijden diesen brutal und grundlos in die Bande. Für beide war die Partie beendet. Während unsere Nummer 15 bewusstlos vom Eis getragen wurde, war van Lijden mit der Spieldauerdisziplinarstrafe gut bedient. Doch diese Aktion sorgte dafür, dass die Atmosphäre fortan völlig vergiftet war. Die folgende fünfminütige Überzahl brachte aber keinen Torerfolg, so dass es mit dem 2:2 in die Kabine ging – in welcher Marco Meyer zum Glück wieder bei Bewusstsein war und sogar weiterspielen wollte. Als Vorsichtsmaßnahme kehrte er aber nicht auf das Eis zurück.

Zu Beginn des zweiten Drittels wurde zunächst wieder Eishockey gespielt. Die Preussen stocherten die Scheibe irgendwie zum 3:2 in den Kasten, doch praktisch im direkten Gegenzug nahm Daniel Clairmont Maß und glich wieder aus. Den nächsten Stich setzte aber wieder Berlin. Justin Ludwig traf freistehend per Direktabnahme zum 4:3 – wie schon mehrfach zuvor liefen zwei Preussen-Angreifer auf nur einen EHCT-Verteidiger zu.

Apropos Stich: auch bei Christopher Schimming brannten die Sicherungen durch und er musste nach einem versuchen Stockstich ebenfalls vorzeitig zum Duschen. Diesmal nutzten unsere Jungs die fünfminütige Überzahl und Kunz glich mit seinem zweiten Treffer zum 4:4 aus. Danach geriet das Eishockey wieder in den Hintergrund und die Fäuste flogen gleich mehrfach. Zwischenzeitlich saßen sechs Spieler (vier Berliner und zwei Timmendorfer) draußen. Speziell der EHCT konnte aber daraus kein Kapital schlagen.

Stattdessen gelang es den Gästen unmittelbar nach Beginn des Schlussabschnitts wieder in Führung zu gehen.Krüger traf in Überzahl zum 5:4. Diesmal ließ die Antwort etwas länger auf sich warten, dafür war der Treffer von Patrick Saggau mit einem fulminanten Schuss ins Kreuzeck umso sehenswerter. Fünf Minuten später trat der ansonsten gute Schiedsrichter Meier auf den Plan und gab Penalty für Berlin. Die Entscheidung war absolut korrekt, doch das folgende Tor hätte wegen unsauberer Ausführung durch Jakub Rumpel nicht zählen dürfen. Sei es drum, Berlin war wieder vorne.

Diesmal schien es so, als könnte sich der EHCT nicht davon erholen. Dann packte Clairmont sein feines Händchen raus und passte aus der Ecke genau auf Daniel Lupzig, welcher nur noch die Kelle hinhalten musste und so erneut ausgleichen konnte. Doch nur 29 Sekunden später markierte Ludwig dann aus dem Getümmel das entscheidende Tor für die Preussen. Jordi Buchholz, welcher nach einer halben Stunde für Alonso ins Tor kam, verdiente sich durch einen spektakulären Save, als er ein Empty-Net-Tor der Berliner mit einem „Becker-Hecht“ verhinderte, noch ein paar Stilnoten.

Unter dem Strich ist es egal, ob das Spiel nun 7:6, 6:7 oder wie auch immer ausging. Es war ein spektakuläres Spiel mit zwei schwachen Defensivreihen. Und es bleibt die Gewissheit, dass bis zum Saisonstart in knapp drei Wochen noch etwas Arbeit auf den Trainer zukommt.

Statistik
Tore: 0:1 Krüger (4.), 0:2 Braun (5.), 1:2 Montminy (7./PP), 2:2 Kunz (7./Vorlagen Saggau, Schnabel), 2:3 Ludwig (23.), 3:3 Clairmont (23./PP/Gulda), 3:4 Ludwig (26.), 4:4 Lunz (27./PP/Steck), 4:5 Krüger (41./PP), 5:5 Saggau (49./PP/Stotz), 5:6 Rumpel (53./PS), 6:6 Lupzig (56./Clairmont), 6:7 Ludwig (57./PP)

Schüsse: 27:29
Strafen: EHCT 20 plus 10 Sanwald – ECC 36 plus 10 Timm plus Spieldauer van Lijden plus Spieldauer Schimming
Zuschauer: 359

Foto: mindwired.de/Raasch